Donnerstag, 1. Oktober 2015

Tag 1345

Harry koennte hier und heute einen weiteren Teil aus Mortimers Tagebuch veroeffentlichen...

Er koennte aber auch folgenden Dialog niederschreiben:

Gast: "Ich haette gerne eine Vierkaesepizza."
Ober: "Tut mir leid, wir haben keine Vierkaesepizza."
Gast: "Ja, dann nehme ich eben eine Dreikaesepizza."


Gute Nacht!



Dienstag, 29. September 2015

Tag 1343

Auf die Frage, was der Vatter auf seiner Reise queeer durch die Republik erlebte, gibts nur eine Antwort: Eine Menge!
In Berlin gabs Schnaps, Bier und eine an die Backe; in Rostock Elephantenbetäubungsmittel und Tagelange Diskuszionen übers Weltall; in Kiel Likör in allen Farben mit Petra; in Trelleborg den kleinen Johannes und auf der Ostsee ekelhafte TruckerNazis! 
Ansonsten prallen die Ereignisze und Erlebnisze am Vatter ab, wie nix gutes! Er doch eh schon alles gesehen und wartet schon gar nicht mehr darauf, daß ihn noch etwas vom Hocker haut
Übrigens macht euch bereits darauf gefaszt, daß Harry in wenigen Tagen wi(e)der übernimmt. Der Vatter musz zu einer Maßnahme und ganz viele Dinge abbauen, die kurz zuvor aufgebaut wurden!

 

Montag, 28. September 2015

Tag 1342

Ja ihr seht richtig, der Vatter ist zurück und ich kann endlich wieder nur morgens Sonne abbekommen. 
Wie es mit Mortimer und dem Schiffbruch weiter geht, daß erfahrt ihr vielleicht im nächsten Sommer. 
Nun gehts hier in erster Linie wieder um IndoorGrowin' und OutdoorAction in Form von unnötigem Schwachsinn. Ich liebe euch alle und wachse just for YOU!

 

Donnerstag, 24. September 2015

Tag 1338

"Erscheinung, Erscheinung. Nichts ist wie es schien. 
Wir reisen zu zweit, auf holprigen Schien'." 

Na, vermiszt jemand Harry seine Gedichte?
Ich nicht! Ich lese lieber Tagebuch.



Sommer 1972



Noch immer werde ich von absurden Traeumen geplagt. 

So traeumte ich vom gesellschaftlichen Abstieg, vom Tod und von Siechtum. 
Soll dies der Vorbote meines baldigen Ablebens sein?
Seit Tagen habe ich nichts gegeszen. 
Heute Morgen erwachte ich, an meinem Hemdaermel kauend, aus dem Schlaf und stellte fest, dasz mir ein Schneidezahn ausgefallen war. 
Wenn nicht bald etwas geschehen sollte, wuerde ich als Leichnam, bis in alle Ewigkeit ueber den Ozean treiben. 
Unter meiner Schaedeldecke brannte ein unertraeglicher Schmerz. 
Ich versuchte mich ein biszchen abzulenken, meine Gedanken zu steuern, um den Albtraeumen zu entfliehen. 
Als ich noch in New York lebte, hatte ich mir stets vorgenommen, einen Roman zu schreiben. 
Wenn ich es erst einmal geschafft haette, ein Buch zu veroeffentlichen, haette ich meinen Job an den Nagel haengen koennen. 
Die taegliche, entmenschlichende Routine, all die kleinbuergerlichen Beschwerdeschreiben und das vorgegaukelte Bedauern, es rieb mich auf. 
Fuer einen jaemmerlichen Paycheck hatte ich mein Talent prostituiert. Es saugte mir die Lebensgeister aus dem Leib. Versetzte mich in eine Lethargie, die mich zu einem kreativen Krueppel machte. 
Als junger Mann hatte ich Ideen und schaeumte foermlich ueber, vor Tatendrang. 
Nun aber steckte ich fest in einer Sackgasze, aus der ich selbst nicht hinaus zu finden wuszte. 
Wahrscheinlich hatte ich den Job mittlerweile verloren. 
Ich hatte kein Zeitgefuehl mehr und wuszte auch nicht, welcher Tag oder Monat gerade war. 
Mein Urlaub war sicherlich schon laengst vorueber. 
Da ich immer noch fern von New York auf dem Ozean rumirrte und nicht zur Arbeit gehen konnte, hatte ich meine Anstellung bestimmt schon verloren. 
Es war mir recht. Ein Laecheln verformte meine gequaelten Gesichtszuege. 
Wenn ich das hier ueberleben sollte, hatte ich die Moeglichkeit endlich etwas Neues zu beginnen. 
Ich nahm mir vor, an meinem Roman weiterzuarbeiten. 
In den letzten Jahren hatte ich mehrfach versucht ihn zu verwirklichen. 
Doch aufgrund von Zeitmangel und kreativer Blockade, hatte ich nie mehr als ein paar Notizen zu Papier gebracht. 
Angetrieben von den vielen, abstrakten Traeumen, welche mich seit Pacos Verschwinden heimsuchten, fuehlte ich mich nun bereit, eine komplexe Geschichte zu entwerfen. 
Ich sah die Protagonisten, die Szenerie, die Hadlung und das Drama. Dialoge schoszen durch mein Hirn, wie Blutgerinnsel bei einem Schlaganfall. 
Ich schrieb jedes Wort auf, kein Gedanke sollte mir verloren gehen. 
Ich schrieb und schreib. 
Als mein Bleistift kaum noch zu greifen war und ich ihn bis zum Radiergummi weggeschrieben hatte, begann ich damit, meine Niederschrift zu rezitieren. 
Laut wollte ich die notierten Zeilen vorlesen und stellte schnell fest, dasz sich auf dem Papier nur eine grosze Anzahl unfoermiger Linien befand. 
Hatte ich eine Schlaganfall erlitten? Oder war meine Hand zu schwach gewesen, lesbare Buchstaben hervorzubringen? 
Sicher nicht, wie haette ich sonst mein Tagebuch schreiben koenne?!
Es gab nur eine Erklaerung. Vom kreativen Fieber getrieben, war ich nicht in der Lage meine Hand zu kontrollieren. 
So, wie die Gedanken aus meinem Hirn stroemten, stroemten auch die Linien auf meinen Schreibblock. 
Zu erkennen war da nichts, auszer einem Wirrwar, bestehend aus Linien und Kreisen. 
Verdammt!, dachte ich mir. 
Mein Verstand war heisz gelaufen. Bevor ich mich erneut ans Werk machen konnte, muszte ich zu Kraeften kommen, ein wenig ruhen. 
Fuer heute erklaerte ich den schoepferischen Prozesz fuer beendet. 
Ich nahm mir vor auszuschlafen und es Morgen noch einmal zu probieren. 
Heute gab es nichts mehr, was ich haette tuen koennen. 
Ich war gespannt, was der naechste Tag mir fuer Ideen bringen sollte.



Fortsetzung folgt.






Mittwoch, 23. September 2015

Tag 1337

Wer sind eigentlich die fuenf Menschen, die taeglich lesen, was Harry hier schreibt? 
Stellt Euch doch mal vor! 



Wahrscheinlich ist der Juni bald vorbei, 1972 aber noch nicht

Ein alter, grauer, buckliger Mann laeuft in abgewetzten Hosen ueber die 5th Avenue. Speckige Aermel haengen an duennen Faeden von seinem Sakko. 
Am Ende langer Arme baumeln Plastetueten. Die aufgedruckten Namen der Supermarktketten sind laengst verblichen. 
Braun und gelb haben sich die ehemals weiszen Griffe der Tueten verfaerbt. Barfusz zieht er an den Geschaeftsleuten, den High Society Damen und den Touristen vorbei. 
Er fuehrt Selbstgespraeche. 
Dann und wann toent aus ihm ein hysterisches Gelaechter. 
Sein Blick durchdringt die kreuzenden Paszanten. Sie weichen ihm aus oder ignorieren ihn. 
Manche haben sich schon an seinen Anblick gewoehnt. 
Die Touristen haben Angst vor ihm. Sie wechseln die Straszenseite, bringen ihre Fotoapparate in Sicherheit. 
Er laeuft und laeuft. Ein Tag vergeht, ein neuer bricht an, um wieder zu vergehen. Er laeuft und laeuft. 
Die Zaehne fallen aus. Im Park ist sein WC. 
Die Sonne scheint, Regen faellt, Jahreszeiten kommen, Jahreszeiten gehen. 
Der Nacken ist schwarz, sein duerrer Leib ist kreidebleich. 
Jetzt sehe ich ihn von Nahem. 
Die Augen sind grau, haben keine Pupillen. Ein zotteliger Bart verhuellt sein Profil. 
Ich sehe genau hin und stelle fest, dasz ich der Alte bin!
Schweiszgebadet schrecke ich auf! Ich hatte getreaumt. 
Da war ich wieder, auf meinem Flosz, auf dem Ozean. 
Was fuer ein verrueckter Traum. Mein Herz pochte wie wild in meiner Brust. 
Ich glaube, ich verliere den Verstand...
Die letzten drei Tage verbrachte ich damit, um Paco zu trauern. 
Der Traenenflusz stellte sich erst ein, als mein Koerper komplett ausgetrocknet war. 
Rosinengleich kullerten die Augaepfel in meinem Schaedel. 
Jedes Zucken mit den Wimpern brannte wie Feuer. Ich hielt die Augen geschloszen, um sie vor der Sonne zu schuetzen. 
Der schmerzhafte Verlust Pacos machte mir mehr zu schaffen als die koerperliche Erschoepfung, die aus den Heulkraempfen resultierte. 
Der naechtliche Regen wurde von meinem dehydrierten Koerper aufgesogen, wei von einem Schwamm. 
Ich konnte nicht mehr. Meine Traenendruesen waren ueberlastet. Sie produzierten nur noch schmerzhafte Kraempfe in meinen Augen. 
Ich hatte keinen Appetit, keinen Durst, keine Lust auf dieses Leben. 
Mein Gesicht war vom vielen Weinen derartig aufgequollen, dasz ich, in Kombination mit meinem abgemagerten Torso, auszah wie ein Lollipop. 
Egal ob ich schlief oder wach war, ich wurde von den verruecktesten Traeumen heimgesucht. Mein Verstand spielte ein boeses Spiel mit mir. 
Hatte ich mir am Ende Paco nur eingebildet? Gab es Paco nur in meinen Traeumen? 
Traeumte ich jetzt? War ich wach? 
Vielleicht traeumte ich ja auch nur davon, auf einem Flosz ueber den Ozean zu schippern. 
Ich habe den Verstand verloren.



Fortsetzung folgt.




Dienstag, 22. September 2015

Tag 1336

Was viele nicht wiszen, ist die Tatsache, dasz Harry nicht nur von seiner Taetigkeit als Zeitgenosze lebt, sondern auch einen serioesen Beruf besitzt. Er arbeitet als Nachtwaechter in der staedtischen Saegemuehle. Nachts musz er dort aufpaszen, dasz die Saegespaene nicht geklaut werden. 
Dieser Job ist nicht ohne. 
Die letzte Nacht musz sehr anstrengend gewesen sein, Harry ist total platt. 
Er faselt unentwegt irgendwas von Tiefkuehlpizza und Feuerwehreinsatz. 
Was ist nur los mit ihm?




Es ist Juni, es ist heisz, es ist 1972


Schockschwerenot! Paco ist weg! 
Was war pasziert?
Heute Morgen, als die Sonne mich mit ihren glutheiszen Strahlen aus dem Schlaf geriszen hatte, hoerte ich, dasz Paco verstummt war. 
Ich nahm es an, denn ich hatte meine Augen noch nicht geoeffnet. Schlaftrunken, verweilte ich in Seitenlage und war froh darueber, dasz Paco noch nicht zu labern angefangen hatte. 
Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, um noch ein wenig zu schlafen. 
Sicher wuerde mich Paco noch den ganzen Tag mit seinen Erzaehlungen nerven. 
Die Ruhe genieszend, schlummerte ich weiter. 
Mein Schlafbedarf musz sehr grosz gewesen sein, denn ich wurde erst wieder wach, als die Sonne gerade am Horizont verschwand. 
Und dann war ich wach!
Panisch suchte ich das Flosz ab. Wo war er nur geblieben? 
Auch unter dem Flosz war Paco nicht zu finden. 
Weit und breit nur Waszer in Sicht. 
Mit dem Paddel in der Hand, setzte ich das Flosz in Bewegung. 
Ich wuszte nicht wo ich anfangen sollte, ihn zu suchen. 
In wilden, flatternden Zuckungen sprang ich von einer Seite auf die andere. Egal wie angestrengt ich suchte, ich fand ihn nicht. 
Einmal dachte ich, sein rotes Hemd gesehen zu haben, doch es war nur ein Fisch, deszen Schuppen das Rot der untergehenden Sonne reflektierte. 
Paco war verschwunden. Weg. 
Enttaeuscht sank ich zu Boden. 
Ich beweinte den Verlust meines Freundes bitterlich. 
Meine schluchzenden Schrei waren selbst in Groenland noch zu hoeren. 
Unsere Wege hatten sich gerade erst gekreuzt und frueher oder spaeter hatte ich ihn wegen seines andauernden Redefluszes womoeglich umgebracht, aber jetzt fehlte er mir. 
Die Abwesenheit seiner Stimme in meinen Ohren, loeste einen tiefen Schmerz der Trauer in mir aus. 
Ich verlor den Willen zu leben. 
Ohne meinen Begleiter machte die Irrfahrt auf dem Ozean keinen Sinn. 
Ach, waere ich doch nur vom Flosz gefallen. 
Wenn ich nur nicht so grosze Angst vorm Ertrinken gehabt haette, ich haette mich sofort ins Waszer gestuerzt. 
Nun muszte die Zeit meine Wunden heilen. 


Wird fortgesetzt.