Das stetige Wachstum einer Pflanze im rauen und grauen Alltag zwischen Fensterbank und Abstellgleis
Mittwoch, 30. September 2015
Dienstag, 29. September 2015
Tag 1343
Auf die Frage, was der Vatter auf seiner Reise queeer durch die Republik erlebte, gibts nur eine Antwort: Eine Menge!
In Berlin gabs Schnaps, Bier und eine an die Backe; in Rostock Elephantenbetäubungsmittel und Tagelange Diskuszionen übers Weltall; in Kiel Likör in allen Farben mit Petra; in Trelleborg den kleinen Johannes und auf der Ostsee ekelhafte TruckerNazis!
Ansonsten prallen die Ereignisze und Erlebnisze am Vatter ab, wie nix gutes! Er doch eh schon alles gesehen und wartet schon gar nicht mehr darauf, daß ihn noch etwas vom Hocker haut
Übrigens macht euch bereits darauf gefaszt, daß Harry in wenigen Tagen wi(e)der übernimmt. Der Vatter musz zu einer Maßnahme und ganz viele Dinge abbauen, die kurz zuvor aufgebaut wurden!
Montag, 28. September 2015
Tag 1342
Ja ihr seht richtig, der Vatter ist zurück und ich kann endlich wieder nur morgens Sonne abbekommen.
Wie es mit Mortimer und dem Schiffbruch weiter geht, daß erfahrt ihr vielleicht im nächsten Sommer.
Nun gehts hier in erster Linie wieder um IndoorGrowin' und OutdoorAction in Form von unnötigem Schwachsinn. Ich liebe euch alle und wachse just for YOU!
Donnerstag, 24. September 2015
Tag 1338
"Erscheinung, Erscheinung. Nichts ist wie es schien.
Wir reisen zu zweit, auf holprigen Schien'."
Na, vermiszt jemand Harry seine Gedichte?
Ich nicht! Ich lese lieber Tagebuch.
Fortsetzung folgt.
Wir reisen zu zweit, auf holprigen Schien'."
Na, vermiszt jemand Harry seine Gedichte?
Ich nicht! Ich lese lieber Tagebuch.
Sommer 1972
Noch immer werde ich von absurden Traeumen geplagt.
So traeumte ich vom gesellschaftlichen Abstieg, vom Tod und von Siechtum.
Soll dies der Vorbote meines baldigen Ablebens sein?
Seit Tagen habe ich nichts gegeszen.
Heute Morgen erwachte ich, an meinem Hemdaermel kauend, aus dem Schlaf und stellte fest, dasz mir ein Schneidezahn ausgefallen war.
Wenn nicht bald etwas geschehen sollte, wuerde ich als Leichnam, bis in alle Ewigkeit ueber den Ozean treiben.
Unter meiner Schaedeldecke brannte ein unertraeglicher Schmerz.
Ich versuchte mich ein biszchen abzulenken, meine Gedanken zu steuern, um den Albtraeumen zu entfliehen.
Als ich noch in New York lebte, hatte ich mir stets vorgenommen, einen Roman zu schreiben.
Wenn ich es erst einmal geschafft haette, ein Buch zu veroeffentlichen, haette ich meinen Job an den Nagel haengen koennen.
Die taegliche, entmenschlichende Routine, all die kleinbuergerlichen Beschwerdeschreiben und das vorgegaukelte Bedauern, es rieb mich auf.
Fuer einen jaemmerlichen Paycheck hatte ich mein Talent prostituiert. Es saugte mir die Lebensgeister aus dem Leib. Versetzte mich in eine Lethargie, die mich zu einem kreativen Krueppel machte.
Als junger Mann hatte ich Ideen und schaeumte foermlich ueber, vor Tatendrang.
Nun aber steckte ich fest in einer Sackgasze, aus der ich selbst nicht hinaus zu finden wuszte.
Wahrscheinlich hatte ich den Job mittlerweile verloren.
Ich hatte kein Zeitgefuehl mehr und wuszte auch nicht, welcher Tag oder Monat gerade war.
Mein Urlaub war sicherlich schon laengst vorueber.
Da ich immer noch fern von New York auf dem Ozean rumirrte und nicht zur Arbeit gehen konnte, hatte ich meine Anstellung bestimmt schon verloren.
Es war mir recht. Ein Laecheln verformte meine gequaelten Gesichtszuege.
Wenn ich das hier ueberleben sollte, hatte ich die Moeglichkeit endlich etwas Neues zu beginnen.
Ich nahm mir vor, an meinem Roman weiterzuarbeiten.
In den letzten Jahren hatte ich mehrfach versucht ihn zu verwirklichen.
Doch aufgrund von Zeitmangel und kreativer Blockade, hatte ich nie mehr als ein paar Notizen zu Papier gebracht.
Angetrieben von den vielen, abstrakten Traeumen, welche mich seit Pacos Verschwinden heimsuchten, fuehlte ich mich nun bereit, eine komplexe Geschichte zu entwerfen.
Ich sah die Protagonisten, die Szenerie, die Hadlung und das Drama. Dialoge schoszen durch mein Hirn, wie Blutgerinnsel bei einem Schlaganfall.
Ich schrieb jedes Wort auf, kein Gedanke sollte mir verloren gehen.
Ich schrieb und schreib.
Als mein Bleistift kaum noch zu greifen war und ich ihn bis zum Radiergummi weggeschrieben hatte, begann ich damit, meine Niederschrift zu rezitieren.
Laut wollte ich die notierten Zeilen vorlesen und stellte schnell fest, dasz sich auf dem Papier nur eine grosze Anzahl unfoermiger Linien befand.
Hatte ich eine Schlaganfall erlitten? Oder war meine Hand zu schwach gewesen, lesbare Buchstaben hervorzubringen?
Sicher nicht, wie haette ich sonst mein Tagebuch schreiben koenne?!
Es gab nur eine Erklaerung. Vom kreativen Fieber getrieben, war ich nicht in der Lage meine Hand zu kontrollieren.
So, wie die Gedanken aus meinem Hirn stroemten, stroemten auch die Linien auf meinen Schreibblock.
Zu erkennen war da nichts, auszer einem Wirrwar, bestehend aus Linien und Kreisen.
Verdammt!, dachte ich mir.
Mein Verstand war heisz gelaufen. Bevor ich mich erneut ans Werk machen konnte, muszte ich zu Kraeften kommen, ein wenig ruhen.
Fuer heute erklaerte ich den schoepferischen Prozesz fuer beendet.
Ich nahm mir vor auszuschlafen und es Morgen noch einmal zu probieren.
Heute gab es nichts mehr, was ich haette tuen koennen.
Ich war gespannt, was der naechste Tag mir fuer Ideen bringen sollte.
Fortsetzung folgt.
Mittwoch, 23. September 2015
Tag 1337
Wer sind eigentlich die fuenf Menschen, die taeglich lesen, was Harry hier schreibt?
Stellt Euch doch mal vor!
Wahrscheinlich ist der Juni bald vorbei, 1972 aber noch nicht
Ein alter, grauer, buckliger Mann laeuft in abgewetzten Hosen ueber die 5th Avenue. Speckige Aermel haengen an duennen Faeden von seinem Sakko.
Am Ende langer Arme baumeln Plastetueten. Die aufgedruckten Namen der Supermarktketten sind laengst verblichen.
Braun und gelb haben sich die ehemals weiszen Griffe der Tueten verfaerbt. Barfusz zieht er an den Geschaeftsleuten, den High Society Damen und den Touristen vorbei.
Er fuehrt Selbstgespraeche.
Dann und wann toent aus ihm ein hysterisches Gelaechter.
Sein Blick durchdringt die kreuzenden Paszanten. Sie weichen ihm aus oder ignorieren ihn.
Manche haben sich schon an seinen Anblick gewoehnt.
Die Touristen haben Angst vor ihm. Sie wechseln die Straszenseite, bringen ihre Fotoapparate in Sicherheit.
Er laeuft und laeuft. Ein Tag vergeht, ein neuer bricht an, um wieder zu vergehen. Er laeuft und laeuft.
Die Zaehne fallen aus. Im Park ist sein WC.
Die Sonne scheint, Regen faellt, Jahreszeiten kommen, Jahreszeiten gehen.
Der Nacken ist schwarz, sein duerrer Leib ist kreidebleich.
Jetzt sehe ich ihn von Nahem.
Die Augen sind grau, haben keine Pupillen. Ein zotteliger Bart verhuellt sein Profil.
Ich sehe genau hin und stelle fest, dasz ich der Alte bin!
Schweiszgebadet schrecke ich auf! Ich hatte getreaumt.
Da war ich wieder, auf meinem Flosz, auf dem Ozean.
Was fuer ein verrueckter Traum. Mein Herz pochte wie wild in meiner Brust.
Ich glaube, ich verliere den Verstand...
Die letzten drei Tage verbrachte ich damit, um Paco zu trauern.
Der Traenenflusz stellte sich erst ein, als mein Koerper komplett ausgetrocknet war.
Rosinengleich kullerten die Augaepfel in meinem Schaedel.
Jedes Zucken mit den Wimpern brannte wie Feuer. Ich hielt die Augen geschloszen, um sie vor der Sonne zu schuetzen.
Der schmerzhafte Verlust Pacos machte mir mehr zu schaffen als die koerperliche Erschoepfung, die aus den Heulkraempfen resultierte.
Der naechtliche Regen wurde von meinem dehydrierten Koerper aufgesogen, wei von einem Schwamm.
Ich konnte nicht mehr. Meine Traenendruesen waren ueberlastet. Sie produzierten nur noch schmerzhafte Kraempfe in meinen Augen.
Ich hatte keinen Appetit, keinen Durst, keine Lust auf dieses Leben.
Mein Gesicht war vom vielen Weinen derartig aufgequollen, dasz ich, in Kombination mit meinem abgemagerten Torso, auszah wie ein Lollipop.
Egal ob ich schlief oder wach war, ich wurde von den verruecktesten Traeumen heimgesucht. Mein Verstand spielte ein boeses Spiel mit mir.
Hatte ich mir am Ende Paco nur eingebildet? Gab es Paco nur in meinen Traeumen?
Traeumte ich jetzt? War ich wach?
Vielleicht traeumte ich ja auch nur davon, auf einem Flosz ueber den Ozean zu schippern.
Ich habe den Verstand verloren.
Fortsetzung folgt.
Stellt Euch doch mal vor!
Wahrscheinlich ist der Juni bald vorbei, 1972 aber noch nicht
Ein alter, grauer, buckliger Mann laeuft in abgewetzten Hosen ueber die 5th Avenue. Speckige Aermel haengen an duennen Faeden von seinem Sakko.
Am Ende langer Arme baumeln Plastetueten. Die aufgedruckten Namen der Supermarktketten sind laengst verblichen.
Braun und gelb haben sich die ehemals weiszen Griffe der Tueten verfaerbt. Barfusz zieht er an den Geschaeftsleuten, den High Society Damen und den Touristen vorbei.
Er fuehrt Selbstgespraeche.
Dann und wann toent aus ihm ein hysterisches Gelaechter.
Sein Blick durchdringt die kreuzenden Paszanten. Sie weichen ihm aus oder ignorieren ihn.
Manche haben sich schon an seinen Anblick gewoehnt.
Die Touristen haben Angst vor ihm. Sie wechseln die Straszenseite, bringen ihre Fotoapparate in Sicherheit.
Er laeuft und laeuft. Ein Tag vergeht, ein neuer bricht an, um wieder zu vergehen. Er laeuft und laeuft.
Die Zaehne fallen aus. Im Park ist sein WC.
Die Sonne scheint, Regen faellt, Jahreszeiten kommen, Jahreszeiten gehen.
Der Nacken ist schwarz, sein duerrer Leib ist kreidebleich.
Jetzt sehe ich ihn von Nahem.
Die Augen sind grau, haben keine Pupillen. Ein zotteliger Bart verhuellt sein Profil.
Ich sehe genau hin und stelle fest, dasz ich der Alte bin!
Schweiszgebadet schrecke ich auf! Ich hatte getreaumt.
Da war ich wieder, auf meinem Flosz, auf dem Ozean.
Was fuer ein verrueckter Traum. Mein Herz pochte wie wild in meiner Brust.
Ich glaube, ich verliere den Verstand...
Die letzten drei Tage verbrachte ich damit, um Paco zu trauern.
Der Traenenflusz stellte sich erst ein, als mein Koerper komplett ausgetrocknet war.
Rosinengleich kullerten die Augaepfel in meinem Schaedel.
Jedes Zucken mit den Wimpern brannte wie Feuer. Ich hielt die Augen geschloszen, um sie vor der Sonne zu schuetzen.
Der schmerzhafte Verlust Pacos machte mir mehr zu schaffen als die koerperliche Erschoepfung, die aus den Heulkraempfen resultierte.
Der naechtliche Regen wurde von meinem dehydrierten Koerper aufgesogen, wei von einem Schwamm.
Ich konnte nicht mehr. Meine Traenendruesen waren ueberlastet. Sie produzierten nur noch schmerzhafte Kraempfe in meinen Augen.
Ich hatte keinen Appetit, keinen Durst, keine Lust auf dieses Leben.
Mein Gesicht war vom vielen Weinen derartig aufgequollen, dasz ich, in Kombination mit meinem abgemagerten Torso, auszah wie ein Lollipop.
Egal ob ich schlief oder wach war, ich wurde von den verruecktesten Traeumen heimgesucht. Mein Verstand spielte ein boeses Spiel mit mir.
Hatte ich mir am Ende Paco nur eingebildet? Gab es Paco nur in meinen Traeumen?
Traeumte ich jetzt? War ich wach?
Vielleicht traeumte ich ja auch nur davon, auf einem Flosz ueber den Ozean zu schippern.
Ich habe den Verstand verloren.
Fortsetzung folgt.
Dienstag, 22. September 2015
Tag 1336
Was viele nicht wiszen, ist die Tatsache, dasz Harry nicht nur von seiner Taetigkeit als Zeitgenosze lebt, sondern auch einen serioesen Beruf besitzt. Er arbeitet als Nachtwaechter in der staedtischen Saegemuehle. Nachts musz er dort aufpaszen, dasz die Saegespaene nicht geklaut werden.
Dieser Job ist nicht ohne.
Die letzte Nacht musz sehr anstrengend gewesen sein, Harry ist total platt.
Er faselt unentwegt irgendwas von Tiefkuehlpizza und Feuerwehreinsatz.
Was ist nur los mit ihm?
Es ist Juni, es ist heisz, es ist 1972
Schockschwerenot! Paco ist weg!
Was war pasziert?
Heute Morgen, als die Sonne mich mit ihren glutheiszen Strahlen aus dem Schlaf geriszen hatte, hoerte ich, dasz Paco verstummt war.
Ich nahm es an, denn ich hatte meine Augen noch nicht geoeffnet. Schlaftrunken, verweilte ich in Seitenlage und war froh darueber, dasz Paco noch nicht zu labern angefangen hatte.
Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, um noch ein wenig zu schlafen.
Sicher wuerde mich Paco noch den ganzen Tag mit seinen Erzaehlungen nerven.
Die Ruhe genieszend, schlummerte ich weiter.
Mein Schlafbedarf musz sehr grosz gewesen sein, denn ich wurde erst wieder wach, als die Sonne gerade am Horizont verschwand.
Und dann war ich wach!
Panisch suchte ich das Flosz ab. Wo war er nur geblieben?
Auch unter dem Flosz war Paco nicht zu finden.
Weit und breit nur Waszer in Sicht.
Mit dem Paddel in der Hand, setzte ich das Flosz in Bewegung.
Ich wuszte nicht wo ich anfangen sollte, ihn zu suchen.
In wilden, flatternden Zuckungen sprang ich von einer Seite auf die andere. Egal wie angestrengt ich suchte, ich fand ihn nicht.
Einmal dachte ich, sein rotes Hemd gesehen zu haben, doch es war nur ein Fisch, deszen Schuppen das Rot der untergehenden Sonne reflektierte.
Paco war verschwunden. Weg.
Enttaeuscht sank ich zu Boden.
Ich beweinte den Verlust meines Freundes bitterlich.
Meine schluchzenden Schrei waren selbst in Groenland noch zu hoeren.
Unsere Wege hatten sich gerade erst gekreuzt und frueher oder spaeter hatte ich ihn wegen seines andauernden Redefluszes womoeglich umgebracht, aber jetzt fehlte er mir.
Die Abwesenheit seiner Stimme in meinen Ohren, loeste einen tiefen Schmerz der Trauer in mir aus.
Ich verlor den Willen zu leben.
Ohne meinen Begleiter machte die Irrfahrt auf dem Ozean keinen Sinn.
Ach, waere ich doch nur vom Flosz gefallen.
Wenn ich nur nicht so grosze Angst vorm Ertrinken gehabt haette, ich haette mich sofort ins Waszer gestuerzt.
Nun muszte die Zeit meine Wunden heilen.
Wird fortgesetzt.
Dieser Job ist nicht ohne.
Die letzte Nacht musz sehr anstrengend gewesen sein, Harry ist total platt.
Er faselt unentwegt irgendwas von Tiefkuehlpizza und Feuerwehreinsatz.
Was ist nur los mit ihm?
Es ist Juni, es ist heisz, es ist 1972
Schockschwerenot! Paco ist weg!
Was war pasziert?
Heute Morgen, als die Sonne mich mit ihren glutheiszen Strahlen aus dem Schlaf geriszen hatte, hoerte ich, dasz Paco verstummt war.
Ich nahm es an, denn ich hatte meine Augen noch nicht geoeffnet. Schlaftrunken, verweilte ich in Seitenlage und war froh darueber, dasz Paco noch nicht zu labern angefangen hatte.
Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, um noch ein wenig zu schlafen.
Sicher wuerde mich Paco noch den ganzen Tag mit seinen Erzaehlungen nerven.
Die Ruhe genieszend, schlummerte ich weiter.
Mein Schlafbedarf musz sehr grosz gewesen sein, denn ich wurde erst wieder wach, als die Sonne gerade am Horizont verschwand.
Und dann war ich wach!
Panisch suchte ich das Flosz ab. Wo war er nur geblieben?
Auch unter dem Flosz war Paco nicht zu finden.
Weit und breit nur Waszer in Sicht.
Mit dem Paddel in der Hand, setzte ich das Flosz in Bewegung.
Ich wuszte nicht wo ich anfangen sollte, ihn zu suchen.
In wilden, flatternden Zuckungen sprang ich von einer Seite auf die andere. Egal wie angestrengt ich suchte, ich fand ihn nicht.
Einmal dachte ich, sein rotes Hemd gesehen zu haben, doch es war nur ein Fisch, deszen Schuppen das Rot der untergehenden Sonne reflektierte.
Paco war verschwunden. Weg.
Enttaeuscht sank ich zu Boden.
Ich beweinte den Verlust meines Freundes bitterlich.
Meine schluchzenden Schrei waren selbst in Groenland noch zu hoeren.
Unsere Wege hatten sich gerade erst gekreuzt und frueher oder spaeter hatte ich ihn wegen seines andauernden Redefluszes womoeglich umgebracht, aber jetzt fehlte er mir.
Die Abwesenheit seiner Stimme in meinen Ohren, loeste einen tiefen Schmerz der Trauer in mir aus.
Ich verlor den Willen zu leben.
Ohne meinen Begleiter machte die Irrfahrt auf dem Ozean keinen Sinn.
Ach, waere ich doch nur vom Flosz gefallen.
Wenn ich nur nicht so grosze Angst vorm Ertrinken gehabt haette, ich haette mich sofort ins Waszer gestuerzt.
Nun muszte die Zeit meine Wunden heilen.
Wird fortgesetzt.
Sonntag, 20. September 2015
Tag 1334
Menschlichkeit, Menschlichkeit! Ich sehe nur Idioten, die mir auf den Sack gehen wollen!
Irgendwann im Juni 1972
Fortsetzung folgt!
Irgendwann im Juni 1972
Es scheint, als wuerde Paco nie wieder aufhoeren zu reden.
Der gestrige Tag reichte aus, um seine gesamte Lebensgeschichte, bis zum heutigen Tag, kennenzulernen.
Paco redete schneller als die meisten Menschen, die ich kannte.
Manchmal fiel es mir schwer seinen Ausfuehrungen zu folgen. Paco schien dies allerdings wenig zu stoeren. Trotz, dasz ich nun flieszend Spanisch sprach, fand ich kaum die Gelegenheit, die neu erlernte Sprache zur Anwendung kommen zu laszen. Er liesz mich einfach nicht zu Wort kommen.
Die Freude darueber, innerhalb kuerzester Zeit eine neue Sprache erlernt zu haben, verflog bald. Meine neue Faehigkeit entpuppte sich als ein nervtoetender Fluch.
Bevor ich in der Lage war, jedes einzelne seiner gesprochenen Woerter zu verstehen, erfreute ich mich am Klang seiner Stimme.
Sein Gerede begleitete das Meeresrauschen und den Wind, der mal schwaecher und mal staerker, ueber das Flosz pfiff.
Egal wie sehr mein Hirn versuchte, die an mein Ohr dringenden Woerter zu ignorieren, ich verstand sie trotzdem.
Wann immer ich versuchte mich nur auf das Geraeusch der an das Flosz schlagenden Wellen zu konzentrieren, verstand ich Fragmente seiner Saetze. Es trieb mich in den Wahnsinn.
Er bombardierte mich mit Geschichten ueber Fuszball, die Spieluhr seiner Nachbarin, die ihn jeden Morgen aus dem Schlaf risz, oder wie schwer es war, auf Kuba anstaendige Hemden in der Farbe Rot zu finden und so weiter und so weiter.
Dieser Mann war geplagt von unzaehligen, mehr oder weniger ernsthaften, Problemen.
Wie viele Therapeuten er wohl hatte?
Fragen konnte ich ihn nicht, ich kam nicht zu Wort.
Als ich mich niedersetzte, um diese Zeilen zu schreiben, stoerte dies Paco in keinster Weise. Er redete weiter auf mich ein.
Um mich ein biszchen von ihm abzulenken, werde ich an dieser Stelle ueber meinen redseligen Freund berichten.
Paco war aus Kuba. Bis vor wenigen Monaten lebte er in der Hauptstadt, Havana.
In seiner Heimat hielt er es allerdings nicht mehr laenger aus.
Nicht etwa weil er politisch verfolgt wurde. Es gab einfach keine anstaendigen Hemden in der Farbe Rot zu kaufen.
In Amerika, so hoerte er die Leute sagen, gab es die besten Hemden in der Farbe Rot.
Rot, so erzaehlten sie, sei eine Farbe, die in den USA sehr beliebt war. Hemden in der Farbe Rot waren dort in allen Nuancen zu finden.
An so einem Ort wollte Paco zukuenftig leben.
Ich musz gestehen, Paco trug ein sehr schoenes Hemd in der Farbe Rot.
Um seinen Traum vom Leben im Land der roten Hemden zu verwirklichen, kehrte Paco seiner Heimat den Ruecken und machte sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika.
Auf einem Schlauchboot verliesz er den Hafen von Havana.
Mit ihm wagte eine kleine Gruppe kubanischer Herrenausztatter die Flucht vom kommunistischen Eiland.
Sie hatten Glueck und kamen wenige Tage spaeter unbeschadet in Florida an.
Paco beantragte Asyl aus politischen Gruenden.
Ein Beamter der Einwanderungsbehoerde deklariert ihn sofort als tapferen Antikommunisten, uebergab ihm ein Stapel Hemden in der Farbe Rot und bewilligte seinen Antrag.
Nun muszte Paco sich nach einem Job umsehen, schlieszlich brauchte er Geld, um all die Hemden in der Farbe Rot bezahlen zu koennen.
Trotz fehlenden musikalischen Begabung wird Paco profeszioneller Trompeter.
Auf einem Kreuzfahrtschiff erhielt er eine Anstellung als Musiker in der Kasinoband.
Der Job machte ihm Spasz. Er flirtete mit den amerikanischen Hausfrauen, die auf Abenteuer aus waren. Nach den Gigs trank er mit den anderen Musikern Rum, bis zum naechsten Gig.
Wenn er von seinem Job erzaehlt geraet er ins Schwaermen.
Eines abends jedoch, sie hatten soeben die letzte Seszion beendet, ereignete sich das verhaengnisvolle Unglueck.
Paco war auf der Suche nach dem letzten, vollen Rumfasz, welches sich irgendwo im Lager versteckt hatte, als das Schiff, wie aus heiterem Himmel, sank.
Wie es zu dem Schiffbruch kam, weisz er nicht.
Paco erkannte sofort, dasz sein Leben in Gefahr war.
Das Waszer stand ihm schon bis zu den Knoecheln, als er das letzte Rumfasz gefunden hatte. Er trank es in einem Zug leer, taumelte damit an Deck und sprang ins Waszer.
Total besoffen trieb er auf dem leeren Rumfasz davon, waehrend das Schiff mitsamt seiner Paszagiere auf den Grund des Ozeans verschwand.
Wie lange Paco auf dem Fasz ueber den Ozean trieb, weisz er nicht. Er war zu betrunken und erweckte erst, als ich ihn auf das Flosz geholt hatte.
Seither ist fuer mich nichts mehr wie es war.
Trotz seines unaufhoerlichen Gelabers, war ich froh, nicht mehr allein zu sein.
Natuerlich wuerde ich irgendwann wahnsinnig werden und ihm an die Gurgel gehen. Noch war es aber nicht soweit.
Ich hockte mich neben ihn und schaute ihm beim Schlafen zu.
Ruhig und friedlich lag er da.
Nachdem Paco verstummt war, konnte auch ich die Augen zu machen.
Vielleicht wuerde er mich morgen einmal zu Wort kommen laszen...
Fortsetzung folgt!
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